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Hoodia: Gefahr für Gesundheit und Umwelt

Hoodia-Pflanze
Foto: iStockphoto_Sproetniek

Hoodia ist eine afrikanische Kakteenart aus der Familie der Hundsgiftgewächse (Apocynaceae). Unter anderem wächst der Kaktus in der südafrikanischen Kalahari-Wüste. Traditionell wird der Kaktus von Buschmännern bei der Jagd gegen Hunger und Durst genutzt.1996 ließ das Council for Scientific and Industrial Research (CSIR), ein halbstaatliches südafrikanisches Forschungsinstitut, Hoodia patentieren. Die Lizenz für die Nutzung der Wirkstoffe der Hoodia-Pflanze liegt inzwischen beim deutsch-niederländischen Konzern Unilever. Trotzdem ist P 57, einer der Wirkstoffe, bis heute nicht offiziell auf dem Markt. Mittlerweile wird Hoodia auch künstlich angepflanzt, mit reichlich Sand, Kompost und Wasser. Dadurch wächst die Pflanze sehr viel schneller. Es ist jedoch unklar, ob während dieses Schnellwachstums dieselben Inhaltsstoffe / Wirkstoffe gebildet werden.

Marktsituation


Der Wirkstoff ist zwar bis heute als Appetitzügler nicht offiziell erhältlich; trotzdem sind im Internet zahlreiche Angebote für Hoodia-Produkte - Kaugummi, Tropfen, Gels, Kapseln - zu finden. Woher diese Produkte stammen und ob sie überhaupt Hoodia enthalten, ist kaum nachzuprüfen. Als Schlankheitsmittel wird Hoodia alleine, aber auch in Kombination mit Chrom, Hydroxycitronensäure und Fruchtextrakten angeboten. Der Preis für eine Tagesration liegt bei 90 Cent bis 2 €, Tropfen können auch schon mal bis zu 5 € pro Tag kosten.Nahrungsergänzungsmittel (Kapseln, Pulver) mit Hoodia waren kurzzeitig auch über Apotheken zu beziehen. Auch hier waren die enthaltenen Extrakte in keinster Weise standardisiert, die Produkte nicht auf ihre Wirkung getestet.

Hoodia gilt in Europa als neuartiges, nicht zugelassenes Lebensmittel. Bisher wurde auch kein Antrag auf Link öffnet in neuem FensterZulassung gestellt. Nahrungsergänzungsmittel mit "Hoodia Gordonii" sind daher nach Auffassung des Link öffnet in neuem FensterBayerisches Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit als nicht verkehrsfähig zu beurteilen.

Die Werbeversprechen


Laut Werbung hat Hoodia folgende "Wirkungen": "Der Fettverbrenner", "Schlank-Geheimnis", "Wunderkaktus", "rechnet radikal mit Gewichtsproblemen ab", "hemmt Kalorienaufnahme um 40-50 %", "Hungergefühl bleibt viele Stunden aus".

Das Wirkprinzip


P57 ist ein Steroidglykosid, das dem Gehirn einen ausreichend hohen Blutzuckerspiegel vortäuscht, es entsteht kein Hungergefühl. Außer einer kleinen Studie mit 18 Teilnehmern gibt es keine weiteren Untersuchungen an Menschen. Der Hoodia-Extrakt soll dort Hungergefühl und Kalorienaufnahme ohne Nebenwirkungen deutlich reduziert haben. Der genaue Wirkstoff in P 57 wurde bisher nicht veröffentlicht, so dass über mögliche Wirkmechanismen nichts bekannt ist. Wichtig: Die ausschließlichen Vermarktungsrechte für den "echten" Extrakt liegen bei Unilever, nicht aber bei den vielen Internet- und sonstigen Anbietern. Diese bieten irgendwelche Hoodia-Zubereitungen in verschiedensten Dosierungen an.

Risiken und Nebenwirkungen


Solange es keinerlei Standards für die Zubereitung des Hoodia-Extrakts gibt und keine toxikologischen Untersuchungen vorliegen, kann über Risiken und Nebenwirkungen keine Aussage getroffen werden, erst recht nicht zur Langzeitsicherheit. Da nicht einmal geklärt ist, welche Zusammensetzung die im Internet angebotenen angeblichen Hoodia-Produkte haben, sollten Sie von der Einnahme derartiger Produkte besser Abstand nehmen. Aussagen wie "Nahrungsergänzungsmittel, kein Arzneimittel. Neben- oder Wechselwirkungen sind daher nicht vorhanden" zeugen alleine von der Unbedarftheit der Werbenden, aber keineswegs von wirklicher Risikofreiheit. Aus den USA sind übrigens viele Fälschungen bekannt, ein Großteil der Produkte enthielt gar kein Hoodia.

Gefahr für die Umwelt


Bereits 2002 vermuteten Experten, dass es durch den Internet-Boom zu einer hemmungslosen Zerstörung der natürlichen Hoodia-Bestände kommen würde, da der Kaktus wegen des Wassermangels in der Wüste nur sehr langsam wächst.
Das hat sich leider bestätigt. Wie der Link öffnet in neuem FensterWWF-Deutschland mitteilte, ist das Figurbewusstsein in den Industrieländern zur Gefahr für die Hoodia-Pflanze im südlichen Afrika geworden. Hoodia ist inzwischen eine bedrohte Art, da der größte Teil der angebotenen Produkte nicht aus dem Anbau, sondern aus illegal geerntetem Raubbau kommt.

Hoodia wurde 2004 unter internationalen Artenschutz gestellt. Pflanzen oder Pflanzenteile oder Erzeugnisse daraus (zum Beispiel Nahrungsergänzungsmittel) dürfen nur gehandelt werden, wenn eine naturverträgliche Herkunft nachgewiesen wird. Verkäufer und Käufer müssen sowohl im innereuropäischen Handel als auch bei Importen von außerhalb der EU belegen können, dass es sich um ein entsprechend Link öffnet in neuem Fenstergenehmigtes Produkt handelt. Dies gilt auch bei Internet-Einkäufen. Bei Verstößen sind Bußgelder und Strafverfahren zu erwarten.

Hoodia-Lebensmittel sind illegal


Hoodia-Produkte sind in ganz Europa weder als Nahrungsergänzungsmittel noch als neuartige Lebensmittel zugelassen. Der Import dieser Produkte - auch für die private Nutzung - ist illegal. Der Zoll darf entsprechende Sendungen beschlagnahmen. Ein- und Ausfuhr-Zertifikate bezeugen lediglich, dass die Produkte aus Kulturanbau stammen und daher nicht der EU-Artenschutz-Verordnung unterliegen; sie sagen nichts über einen legalen Verkauf als Diätprodukt aus.

Weiter:


Dieses Dokument ist aus dem Internet-Auftritt der
Verbraucherzentrale Brandenburg e.V., Templiner Straße 21, 14473 Potsdam
Sie finden es im Internet unter: http://www.vzb.de/link550221A.html