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Service für Journalistinnen und Journalisten

Pressemitteilung der Verbraucherzentrale Brandenburg

09.07.2009
Finanzhaien künftig noch mehr ausgeliefert
Verbraucherzentrale fordert stärkeren Schutz für Verbraucher

Vorstand Resch im Gespräch
Geldanlagespezialist Resch beantwortet Journalistenfragen, 1.19 MB  Download: Foto Geldanlagespezialist Resch beantwortet Journalistenfragen (1.19 MB)
Finanzkrise gestern, heute und morgen
Jeder 20. Brandenburger nutzte 2008 den unabhängigen Rat der Verbraucherzentrale, etwa jeder zehnte davon zu Finanzdienstleistungen. Dominierten im Laufe des Jahres Fragen zur Abzocke durch Werbeanrufe, angebliche Internetabos, Datenklau oder unklare Energiepreise, so nahmen ab Herbst Anfragen zu Risiken von Geldanlagen deutlich zu. Spitzenreiter waren Lehmann-Zertifikate und angebliche Steuersparimmobilien.

"Die Kuh ist noch nicht mal auf dem Weg vom Eis", warnt Jochen Resch, Vorstandsvorsitzender der Verbraucherzentrale Brandenburg: "So lange Finanzberater an riskanten Anlagen mehr verdienen als an bedarfsgerechter Beratung, werden sie die Verbraucher als Geldanlage-Laien um ihre Ersparnisse bringen!" Er verweist auf eine derzeit im Land Brandenburg wieder zunehmende Werbung für Schrottimmobilien, die skrupellose Geschäftemacher Verbrauchern als angeblich sicheres Sparmodell unterjubeln. "Mit den jüngst beschlossenen Dokumentationspflichten wollte die Bundesregierung die Verbraucher besser absichern", räumt Resch ein, spitzt aber im nächsten Atemzug zu: "Tatsächlich liefert sie diese noch stärker den Geldanlage-Profis aus, die Verbrauchern weiterhin nicht bedarfsgerechte provisionsträchtige Produkte aufdrängen und sich dann mit Hilfe gut vorbereiteter Beratungsprotokolle sogar noch absichern werden." Dramatisch sei das auch deshalb, weil jeder Privathaushalt heute Verantwortung für seine Vorsorge übernehmen müsse und daher fast jeder Brandenburger betroffen sein könne.

Angesichts dieser Gesetzeslage sieht der Verbraucherschützer neben einer systematischen Verbraucherbildung von der Schule an nur einen Weg zur Schadensvermeidung: Keine Unterschrift und keinen Vertragsschluss ohne Prüfung! "Die meisten Verbraucher schließen solche Sparverträge nur ein oder zwei Mal im Leben ab, so dass sie nach psychologisch austarierten Beratungsgesprächen mit Anbietern eine Denkpause brauchen, um ein Angebot mit etwas Abstand sachlich bewerten zu können", glaubt Resch. Noch besser sei unabhängiger Rat, wie ihn die Verbraucherzentrale biete.

Bilanz 2008 und aktueller Ausblick
2.000 Rat Suchenden halfen die brandenburgischen Verbraucherschützer allein von Oktober bis Dezember 2008 an der Krisenhotline und in Beratungsstellen zum Thema Geldanlagen. Zum gesamten Themenspektrum nutzten im vergangenen Jahr über 111.000 Verbraucherinnen und Verbraucher die Beratungs- und Informationsangebote der Verbraucherzentrale in Beratungsstellen, Veranstaltungen und am Telefon. Aufwändige Rechtsvertretungen verdoppelten sich nahezu im Vergleich zum Vorjahr auf über 1.300. In 93 Fällen unternahm die Verbraucherzentrale Brandenburg rechtliche Schritte gegen Anbieter, die sich mit rechtswidrigen Geschäftspraktiken Vorteile verschaffen wollten – so stoppte sie gerichtlich unzulässige Preisanpassungsklauseln der Energieversorger envia und EMB. Mit öffentlichen Warnungen zum Beispiel vor rechtswidrigen Werbeanrufen von Lotteriefirmen, unberechtigten Rechnungen für Internetabos oder dubiosen Schlankmachern konnten Brandenburgerinnen und Brandenburger vor Schäden bewahrt werden.

2009 liegt der Schwerpunkt auf präventiven Angeboten: Der Marktcheck "Seniorengerechter Supermarkt" bringt praktische Verbesserungen. Mit alltagstauglichen Tipps für das eigene Verhalten gehen die Klimaschützer und die Ernährungsberaterinnen in die Fläche des Landes, direkt zu den Verbrauchern. Über Vorträge und eine Umfrage werden wichtige Informationen rund um das Thema Pflege vermittelt. Das deutsch-polnische Gemeinschaftsprojekt "Konsument" in der Grenzregion knüpft an die Tradition des Informationszentrums an der Grenze zu Polen an. Im Zentrum der Arbeit aber wird in Folge der Wirtschaftskrise das "Auskommen mit dem Einkommen" stehen, das in der gleichnamigen Vortragsreihe für Familien auf den Punkt gebracht wird.

Wenn die Brandenburgerinnen und Brandenburger die Steuermilliarden aus den Konjunkturpaketen, Ausfälle am Arbeitsmarkt und in der Altersvorsorge durch verzockte Anlagen mit schultern müssen, werden sie mehr rechnen müssen als bisher. Deshalb fordern die Verbraucherzentralen, dass Bund und Wirtschaft sich an einer verlässlichen Finanzierung des Verbraucherschutzes künftig so beteiligen, dass jeder 5. Haushalt sich einmal im Jahr unabhängigen Rat holen kann. Dafür würden von Bund und Wirtschaft bundesweit je 67 Millionen Euro benötigt – ein 7.000-stel des ersten Konjunkturpaketes der Bundesregierung für die Banken, ein Bruchteil der Unrechtsgewinne, die Unternehmen Verbrauchern jährlich aus der Tasche ziehen! Für das Land Brandenburg hieße das: Fünf zusätzliche Beratungsstellen, an jedem Beratungsstandort ein Finanzdienstleistungsberater und mehr Kraft für Rechts-durchsetzung und öffentliche Warnungen – unmittelbarer Nutzen für Verbraucher, Kaufkraft, Sozialversicherungssysteme und den Markt.

Bitte beachten Sie, dass die Meldung den Stand der Dinge zum Zeitpunkt ihrer Veröffentlichung wiedergibt.


Dieses Dokument ist aus dem Internet-Auftritt der
Verbraucherzentrale Brandenburg, Templiner Strasse 21, 14473 Potsdam
Sie finden es im Internet unter: http://www.vzb.de/link582541A.html