Zum Jahresbeginn einigten sich das Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz, der Milchindustrieverband und der Hauptverband des deutschen Einzelhandels auf eine Selbstverpflichtung der Milchwirtschaft zu folgender Kennzeichnung: Frische Milch sollte fortan als "Frischmilch, traditionell hergestellt" bezeichnet werden. Die neue ESL-Milch, die durch Kurzzeithocherhitzung oder Mikrofiltrierung ohne den Kochgeschmack der H-Milch bis zu vier Wochen haltbar ist und ausgesprochen Extended-Shelf-Life-Milch heißt, bekäme den Aufdruck "Frischmilch, länger haltbar".
Nach rund vier Monaten prüften die Verbraucherzentralen die Einhaltung der Selbstverpflichtung mit einem Marktcheck. 660 Milchtüten und Flaschen aus bundesweit 80 Discountern, Supermärkten, Reformhäusern und Bioläden wurden überprüft. In jedem aufgesuchten Geschäft wurden alle Milchsorten aus dem Kühlregal (also keine H-Milch) in den Marktcheck einbezogen. Von 660 Produkten waren lediglich 40 mit "traditionell hergestellt" und 202 mit "länger haltbar" gekenn-zeichnet. 418 trugen nicht den vereinbarten Text.
Von den 13 im Land Brandenburg bei Edeka und Lidl eingekauften Proben waren acht korrekt gekennzeichnet – bei den restlichen ließ sich durch Aussagen wie "maxi frische", "besonders lange frisch" oder "hält extra lange frisch" vermuten, dass es sich um ESL-Milch handelt; das Mindesthaltbarkeitsdatum (mehr als noch acht Tage haltbar) diente als weiterer Anhaltspunkt.
Wie von den Verbraucherschützern befürchtet, wird die von vielen Verbrauchern geschätzte echte Frischmilch immer seltener angeboten. Nur eine der 13 Milchvari-anten in Brandenburg war wirklich frisch. Auch bundesweit führen Discounter kaum noch echte Frischmilch; in einigen Supermärkten oder im Reformhaus gibt es ebenfalls nur noch "Frischmilch, länger haltbar". In Biosupermärkten und Naturkost-läden war immer Frischmilch im Angebot, meist aber zusätzlich auch ESL-Milch.
Verbraucherschützerin Franke ermuntert: "Wer wirklich frische Milch kaufen möchte und kein Produkt mit der Aufschrift ‚traditionell hergestellt’ findet, sollte seinen Wunsch dem Verkaufspersonal mitteilen!"
Fragen zum Thema Ernährung und Lebensmittelrecht beantworten die Ernährungsberaterinnen der Verbraucherzentrale
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