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Pressemitteilung der Verbraucherzentrale Brandenburg

17.07.2009
"Frischmilch, traditionell hergestellt" wird selten
Marktcheck der Verbraucherzentralen: Kennzeichnung unklar

Seit Einführung der so genannten ESL-Milch, einem Mittelding zwischen der bekannten H-Milch und Frischmilch, ist der Kauf von wirklich frischer Milch nicht mehr so einfach: "Auf den ersten Blick erkennt selbst der bestgeschulte Konsument nicht immer, ob die Milch nun ‚frisch’, ‚länger frisch’ oder ‚lange haltbar’ ist", kritisiert Heidrun Franke von der Verbraucherzentrale Brandenburg, und erläutert: "Bei unserem Marktcheck waren zwei Drittel der Proben nicht korrekt gekennzeichnet!" Vor allem bedauert sie aber, dass die echte Frischmilch offenbar auf dem Weg zum seltenen Luxusartikel ist.

Zum Jahresbeginn einigten sich das Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz, der Milchindustrieverband und der Hauptverband des deutschen Einzelhandels auf eine Selbstverpflichtung der Milchwirtschaft zu folgender Kennzeichnung: Frische Milch sollte fortan als "Frischmilch, traditionell hergestellt" bezeichnet werden. Die neue ESL-Milch, die durch Kurzzeithocherhitzung oder Mikrofiltrierung ohne den Kochgeschmack der H-Milch bis zu vier Wochen haltbar ist und ausgesprochen Extended-Shelf-Life-Milch heißt, bekäme den Aufdruck "Frischmilch, länger haltbar".

Nach rund vier Monaten prüften die Verbraucherzentralen die Einhaltung der Selbstverpflichtung mit einem Marktcheck. 660 Milchtüten und Flaschen aus bundesweit 80 Discountern, Supermärkten, Reformhäusern und Bioläden wurden überprüft. In jedem aufgesuchten Geschäft wurden alle Milchsorten aus dem Kühlregal (also keine H-Milch) in den Marktcheck einbezogen. Von 660 Produkten waren lediglich 40 mit "traditionell hergestellt" und 202 mit "länger haltbar" gekenn-zeichnet. 418 trugen nicht den vereinbarten Text.

Von den 13 im Land Brandenburg bei Edeka und Lidl eingekauften Proben waren acht korrekt gekennzeichnet – bei den restlichen ließ sich durch Aussagen wie "maxi frische", "besonders lange frisch" oder "hält extra lange frisch" vermuten, dass es sich um ESL-Milch handelt; das Mindesthaltbarkeitsdatum (mehr als noch acht Tage haltbar) diente als weiterer Anhaltspunkt.

Wie von den Verbraucherschützern befürchtet, wird die von vielen Verbrauchern geschätzte echte Frischmilch immer seltener angeboten. Nur eine der 13 Milchvari-anten in Brandenburg war wirklich frisch. Auch bundesweit führen Discounter kaum noch echte Frischmilch; in einigen Supermärkten oder im Reformhaus gibt es ebenfalls nur noch "Frischmilch, länger haltbar". In Biosupermärkten und Naturkost-läden war immer Frischmilch im Angebot, meist aber zusätzlich auch ESL-Milch.

Verbraucherschützerin Franke ermuntert: "Wer wirklich frische Milch kaufen möchte und kein Produkt mit der Aufschrift ‚traditionell hergestellt’ findet, sollte seinen Wunsch dem Verkaufspersonal mitteilen!"

Fragen zum Thema Ernährung und Lebensmittelrecht beantworten die Ernährungsberaterinnen der Verbraucherzentrale
  • in den Beratungsstellen,
    Terminvereinbarung unter 01805 / 00 40 49 jeden Mo bis Fr von 9 bis 16 Uhr (14 Ct/min a. d. Festnetz d. Deutschen Telekom, Mobilfunkpreise abweichend) - sowie
  • am Beratungstelefon unter 01805 / 79 13 52 jeden Mo, Mi, Do von 10 bis 16 Uhr (14 Ct/min, Mobilfunkpreise abweichend).


    Bitte beachten Sie, dass die Meldung den Stand der Dinge zum Zeitpunkt ihrer Veröffentlichung wiedergibt.


  • Dieses Dokument ist aus dem Internet-Auftritt der
    Verbraucherzentrale Brandenburg, Templiner Strasse 21, 14473 Potsdam
    Sie finden es im Internet unter: http://www.vzb.de/link587671A.html