Abnehmen liegt im Trend – auch Apotheken bieten ihre Hilfe an. Die Verbraucherzentrale Brandenburg wollte nun wissen, ob hier eine gute Beratung geboten wird. Dazu müssten zunächst Größe, Gewicht und Lebensumstände sowie mögliche Erkrankungen erfragt werden – aber auch, welche Abnehmversuche bereits unternommen wurden. Im Test der Verbraucherzentrale hätte einer Frau mittleren Alters mit mittlerem Übergewicht vor allem eine Ernährungsumstellung mit weniger versteckten Fetten und Zuckern (wie in Wiener Würstchen, Cornflakes oder Limonaden) sowie möglichst fünf Portionen Obst und Gemüse am Tag empfohlen werden müssen. Außerdem wäre ihr zu mehr Bewegung im Alltag zu raten, zum Beispiel lieber mal Treppe und Fahrrad an Stelle von Fahrstuhl und Verkehrsmitteln zu benutzen. Außerdem müsste sie darauf hingewiesen werden, dass nach Monaten ohne Erfolg durch einen Arztbesuch abzuklären sei, ob eine Erkrankung das Übergewicht verursacht.
Ergebnis des Marktchecks
Für den Check befragte die Verbraucherzentrale Brandenburg alle 39 Potsdamer Apotheken zum Abnehmen. Sie wollte wissen, wie eine Frau mittleren Alters mit einem mittleren Übergewicht (BMI 28) vorgehen sollte, um ein paar Pfunde zu verlieren.
Knapp ein Viertel der Apotheken (9 von 39) beriet vorbildlich. Sie empfahlen mehr Bewegung und eine Ernährungsumstellung. Außerdem informierten sie darüber, dass Schlankheitsmittel bei diesem BMI noch nicht nötig seien.
Etwa die Hälfte der Apotheken (18 von 39) fing zwar mit kurzen Hinweisen auf eine Ernährungsumstellung und mehr Bewegung viel versprechend an, riet abschließend aber zu einem Abnehmpräparat. Gerade diese Art der Beratung hält die Verbraucherzentrale für problematisch, da der differenzierte Einstieg das Vertrauen der Verbraucher erweckt und den Rat zum schnellen Problemlöser Abnehmmittel glaubwürdiger erscheinen lässt.
Über ein Viertel der Apotheken (12 von 39) fiel im Test komplett durch: Diese empfahlen sofort Schlankheitspräparate, obwohl noch keine Adipositas (Fettsucht) vorliegt und bei einem mittleren Übergewicht die Pfunde ohne Präparate gesünder und dauerhafter purzeln.
Negativ: Eine ärztliche Konsultation empfahlen nur acht Apotheken. Keine Apotheke, die Fett bindende Tabletten vorschlug, verwies darauf, dass sich durch die zum Teil blockierte Fettaufnahme auch die Vitaminausnutzung verschlechtert. Auf tückische Nebenwirkungen wie Durchfall/Fettstuhl und Blähungen wurde dagegen häufiger hingewiesen, allerdings nicht von den "durchgefallenen" Apotheken.
Positiv: Einige Apotheken boten einen Ernährungs-Check an. Danach würde man Ratschläge zur gesünderen und fettreduzierten Ernährung bekommen.
Empfehlung für Abnehmwillige
Eine sachkundige Beratung zum Abnehmen ist durchaus empfehlenswert. Diese bieten seriöse Ärzte, Krankenkassen, zertifizierte Ernährungsberater und – wie der Test der Verbraucherzentrale zeigt - auch einige Apotheken. Sicherheitshalber sollte man mehrere Beratungen einholen. Wird jedoch ohne besondere Gründe der Einsatz von Diätmitteln empfohlen, raten die Verbraucherschützer: "Finger weg!" Abnehmversprechen ohne Mühe und Änderung des Lebensstils in kürzester Zeit sind immer unseriös!
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