Mit einer bundesweiten Fragebogenaktion im Sommer wollten die Verbraucherzentralen ermitteln, wie die 141 angesprochenen Krankenkassen die so genannte "Hausarztzentrierte Versorgung" umsetzen, die laut Gesetzgeber bis zum 30. Juni 2009 angeboten werden sollte. Mit dem Modell soll ein Hausarzt als regelmäßiger erster Anlaufpunkt für Patienten etabliert werden. Die 102 eingegangenen Antworten zeigen große Unterschiede in der Ausgestaltung, so dass das Hausarztmodell Verbrauchern nicht pauschal empfohlen oder davon abgeraten werden kann.
26 Kassen belohnen teilnehmende Versicherte durch den kompletten oder teilweisen Erlass der Praxisgebühr. Die meisten Kassen motivieren mit Mehrleistungen wie zusätzlichen Vorsorgeuntersuchungen, kürzeren Wartezeiten oder Sondersprechstunden in der Arztpraxis. Den Mehrleistungen für Versicherte stehen Einschränkungen gegenüber: Sie sind für den ersten Arztbesuch bei einem Problem zunächst an ihren Hausarzt gebunden, der bei manchen Kassen vorrangig auf eine bestimmte Medikamentenauswahl zurückgreifen muss.
Fast die Hälfte der befragten Kassen bereitet die Umsetzung noch vor und kann ihren Mitgliedern derzeit trotz der gesetzlichen Verpflichtung noch gar keinen Vertrag anbieten. Bevor Versicherte sich für den Beitritt zu einer Hausarztzentrierten Versorgung entscheiden, sollten sie deshalb erst einmal bei ihrer Krankenkasse nachfragen, ob diese überhaupt einen Hausarztvertrag anbietet und im nächsten Schritt ausgehend vom eigenen Bedarf an ärztlicher Betreuung abwägen, ob das Hausarztmodell ihrer Kasse für sie vorteilhaft ist. Bereut man eine voreilige Vereinbarung, kann man bei manchen Kassen nur "aus wichtigem Grund" wie Umzug oder Störung des Vertrauensverhältnisses zwischen Arzt und Patient vorzeitig wieder aussteigen.
Die Untersuchung zur Hausarztzentrierten Versorgung wurde durchgeführt im Rahmen des Projekts "Wirtschaftlicher Verbraucherschutz 2009", gefördert durch das Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz
Individuellen Rat erhalten Betroffene in der Unabhängigen Patientenberatungsstelle Potsdam, Babelsberger Straße 16 (Hauptbahnhof), Mo 14-18 Uhr, Di 9-13 Uhr, Do 9-13 und 14-18 Uhr sowie am kostenlosen Beratungstelefon: 0800 0 11 77 22, Mo-Fr 10-18 Uhr.
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