Am 15. März, dem Weltverbrauchertag, feierte die Verbraucherzentrale Brandenburg in diesem Jahr auch ihren 20. Geburtstag – und zwar öffentlich mit Verbrauchern ab 11 Uhr in den Potsdamer Bahnhofspassagen. "Seit der Gründung vor 20 Jahren mit den Satzungszielen Verbraucherinformation, individuelle Beratung und Verbraucherinteressenvertretung haben wir Brandenburgerinnen und Brandenburgern mehr als 2,5 Millionen Mal persönlich helfen können", bilanzierte der Vorstandsvorsitzende Jochen Resch die erfolgreiche Arbeit. Mehr als 350 Mal erreichten die brandenburgischen Verbraucherschützer unter anderem durch rechtliche Schritte, dass Unternehmen ihre Geschäftspraktiken für alle ihre Kunden fairer gestalteten, täglich kommen zwei bis drei Mitarbeiter mit Tipps oder Warnungen öffentlich zu Wort. Eine Präsentation in den Potsdamer Bahnhofspassagen vom 15. bis einschließlich 26. März gab mit kurzen Tipps Einblick in die klassischen Beratungsgebiete Verbraucherrecht, Telekommunikation, Finanzdienstleistungen, aber auch in Projektangebote zu Ernährung, Energiesparen und Klimaschutz.
"Möglich sind wirkungsvolle Erfolge für Verbraucher nur mit zuverlässigen Partnern wie dem Verbraucherschutzministerium des Landes", erklärte der Verbraucherzentralen-Chef und unterstrich: "Demokratisch legitimiert fühlen wir uns aber vor allem durch starke Mitgliedsverbände und engagierte Abgeordnete." Seit Jahren fördert das Land die gemeinnützige Arbeit der Verbraucherzentrale Brandenburg und unterstützt das Anliegen, im Flächenland Brandenburg mit 13 Beratungsstellen möglichst für viele Menschen persönlich ansprechbar zu sein. An einem durchschnittlichen Beratungstag führen die Berater immerhin 17 persönliche Gespräche, für nicht mobile Verbraucher leisten sie darüber hinaus telefonische und schriftliche Beratungen.
Doch nicht alle Erwartungen können erfüllt werden, denn im Laufe der Jahre sind die Verbrauchersorgen komplizierter geworden. "Mussten wir uns vor 20 Jahren vor allem um Kaffeefahrten mit Lamadecken oder Zeitschriftenabos kümmern, bewegen die Verbraucher heute häufig weitaus kompliziertere Fragen wie dubiose Internetrechnungen, geplatzte Altersvorsorgeverträge oder unklare Energiepreise", stellte Sylvia Schönke fest, die seit der Gründung das Potsdamer Beratungszentrum leitet und zu den landesweit nur fünf Spezialberaterinnen zu Finanzdienstleistungen gehört.
In der Aktion "Rote Karte für Abzocker!", die in der Jubiläumsveranstaltung gemeinsam mit Betroffenen ausgewertet wurde, gab immerhin jeder achte Befragte an, Probleme mit unvorteilhafter Finanzberatung zu haben. Mehr Finanzkompetenz ist deshalb ein Thema für die Verbraucherschützer, die 2010 gemeinsam mit den Landesministerien für Verbraucherschutz, Bildung und Familie mit einem "Aktionsplan für Verbraucherbildung" für mehr systematische präventive Information sorgen wollen. Spielerisch können Verbraucher im Internet unter www.vzb.de mit einem Sudoku ihre Finanzkompetenz erweitern, bei dem jede richtige Eintragung mit einem Extra-Tipp zu Geldanlagen, Versicherungen, Zahlungsverkehr, Krediten oder Insolvenz beantwortet wird.
Den unrühmlichen Abzocker-Spitzenplatz bei der Rote-Karten-Aktion nehmen jedoch mit großem Abstand unerwünschte Werbeanrufe ein, unter denen trotz gesetzlicher Vorsorgeversuche immerhin zwei Drittel der fast tausend Teilnehmer leiden. Die Verbraucherzentrale nutzt ihr Jubiläum daher für den Aufruf, ihre Kampagne gegen rechtswidrige Werbeanrufe zu unterstützen: Brandenburgerinnen und Brandenburger können sich mit Informationen über Zeit, Urheber und Thema solcher Anrufe in jeder Beratungsstelle melden oder ihre Angaben in eine dort vorliegende Werbeanruf-Postkarte oder online unter www.vzb.de/telefonwerbung eintragen. "Mit den bundesweiten Ergebnissen der Kampagne können die Verbraucherzentralen gemeinsam im Sommer überfällige gesetzliche Verschärfungen nachdrücklicher einfordern", kündigte Geschäftsführer Dr. Radloff an und versprach: "Hier wie bei Energiepreisen und bedarfsgerechter Finanzberatung bleiben wir für die Brandenburger am Ball!"

