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Granatapfel

Granatapfel am Baum Kosten: Saft für 48 Euro
Der Granatapfel, auch Grenadine, Punica oder englisch pomegranate (Punica granatum) genannt, stammt aus West- bis Mittelasien. Er wird heute auch im Mittelmeerraum, vor allem in der Türkei, angebaut. Von der apfelähnlichen, (orange-)roten Scheinfrucht wird nicht dass Fruchtfleisch genossen, vielmehr isst man die fleischig ummantelten Samen (Kerne). Als Nahrungsergänzungsmittel (NEM) finden sich im Handel Kapseln - entweder mit Konzentrat oder mit fermentiertem, gefriergetrocknetem Saft (pro Monatsdosis bis zu 35 €) - sowie Granatapfelsaft (pro Liter bis zu 18 €) und Saftkonzentrat (pro Liter circa 48 €, Tagesdosis 30 ml).

Werbung: Wundersame Wirkungen
Dem Granatapfel werden wundersame Wirkungen nachgesagt. So soll er Prostata- und Brustkrebs bremsen, Herz-Kreislauf-Beschwerden lindern, den Blutdruck senken und anti-entzündlich wirken. Außerdem soll er die Entstehung von Thrombose, Lungenembolie, Schlaganfall und Herzinfarkt verhindern und Infekte abwehren. Außerdem wird häufig mit einem hohen antioxidativen Potential geworben. Da es sich um ein NEM, also um ein Lebensmittel, und kein geprüftes Medikament handelt, sind Aussagen zur Linderung, Behandlung oder Heilung von Krankheiten Link öffnet in neuem Fenstergesetzlich verboten. Produkte, für die Produzenten mit derartigen Aussagenwerben, sind nicht verkehrsfähig. Außerdem existiert für die Begriffe "Extrakte" und "Konzentrate" keine Standardisierung. Jeder Hersteller versteht darunter etwas anderes; die verschiedenen Produkte sind dadurch kaum vergleichbar.

Wissenschaftliche Studien: Keine Wirkung
Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit hat die Link öffnet in neuem Fensterwissenschaftliche Studienlage überprüft. Danach haben weder extrahierte Inhaltsstoffe (wie Polyphenole, Ellagsäure, Punicalagin/Punicalagene) noch Saft eine positive Wirkung hinsichtlich
  • Herzgesundheit bzw. Herz-Kreislauf-Gesundheit
  • normalen Blut-Cholesterinwerten
  • normalen Blutzuckerspiegeln
  • sexueller Gesundheit von Männern (Erhalt der Potenz)
  • Schutz der Fette vor oxidativem Schaden
  • Oxidationsschutz und Anti-Aging
  • Steigerung des Appetits nach Gewichtsverlust

Einige neuere Studien deuten daraufhin, dass ein erhöhter Blutdruck durch das regelmäßige Trinken von Granatapfelsaft etwas sinken könnte; ähnliches ist aber auch schon für Orangensaft gezeigt worden. Möglicherweise wirken Gemüse und Obst generell derart positiv, wie aktuelle Auswertungen der Link öffnet in neuem FensterEPIC-Studie vermuten lassen.

Sicherheit: Wechselwirkungen mit Medikamenten
GranatapfelGrundsätzlich müssen Lebensmittel in der Europäischen Union (EU) sicher sein. Dafür haftet der Hersteller. Problematisch ist daher der Kauf von Produkten jenseits der EU-Grenzen. Außerhalb Deutschlands ist es relativ schwierig und sehr zeitaufwändig, den Hersteller zu belangen. Der Verzehr von Granatapfel als Frucht und Saft gilt als sicher. Dagegen ist bislang nicht untersucht worden, ob dies bei dauerhaftem Verzehr auch auf isolierte Granatapfel-Inhaltsstoffe zutrifft. Achtung: Zwischen Granatapfelsaft und vielen Medikamenten gibt es ähnliche Wechselwirkungen wie bei Grapefruitsaft. Durch die Hemmung des Cytochrom-P450-Systems in der Leber werden Medikamente im Körper langsamer abgebaut und können sich unter Umständen bis zu einer toxischen (giftigen)
Menge anreichern; sie dürfen deshalb keinesfalls gleichzeitig eingenommen werden. Für den richtigen zeitlichen Abstand bitte Arzt oder Apotheker fragen.

Tipps
Gegen den Genuss von frischen Granatäpfeln (Saison: Oktober bis Januar) oder auch Granatapfelsaft ist nichts einzuwenden. Allerdings sind auch keine besonderen Vorteile gegenüber den vielen anderen Obstsorten bekannt. Ellagsäure beispielsweise ist auch in Himbeeren und Erdbeeren enthalten. Achtung beim Einkauf: Die Früchte reifen nach der Ernte nicht nach. Wer den Saft selbst gewinnen möchte, muss die Schale weich kneten, dann ein Loch in die Frucht stechen und die Flüssigkeit herauspressen.

Weiter:


Dieses Dokument ist aus dem Internet-Auftritt der
Verbraucherzentrale Brandenburg e.V., Templiner Straße 21, 14473 Potsdam
Sie finden es im Internet unter: http://www.vzb.de/link837161A.html