Direkt zum Inhalt
  • Seite drucken
  • Seite empfehlen
  • Warenkorb
  • Fragen zum Auftritt?
  • Tipps zur Schriftgrößenänderung

Beratungsstellen

Ratgeber zum Thema:

Titelbild des Ratgebers Mahlzeit Kinder

Mahlzeit, Kinder!


9,90 EURO
224 Seiten

Zum Ratgeber-Shop

Kinderlebensmittel: Häufig süß, fett und teuer

Kind beim Essen/stockphoto.com/val_th
Foto: stockphoto.com/val_th

Mit Comics, Stickern, Sammelfiguren und auffälliger Verpackung locken die Hersteller ihre jungen Kunden. Kinderjoghurt, -quark, Brotaufstriche, fruchtsafthaltige Getränke und Frühstückscerealien bestimmen den Markt. Inzwischen gehören auch Tütensuppen, Nudelgerichte und Fischkonserven zum Sortiment. Zahlreiche Produkte zeichnen sich vor allem dadurch aus, dass sie reichlich Zucker, Fett und Zusatzstoffe enthalten - und häufig auch teurer sind.

Reichlich Werbung für Kinderlebensmittel
Den Eltern versprechen die Werber, dass Kinderlebensmittel gesund seien. Sie weisen beispielsweise auf die "Extraportion Calcium" oder das "Plus für eine ausgewogene Ernährung" hin. Spezielle Internetseiten der Hersteller, die auf dem Produkt oder in der Fernsehwerbung angepriesen werden, versprechen kostenlose Spiele und erreichen so auch die Kinder. Je häufiger Kinder eine Werbung anschauen, um so eher erkennen sie Markenlogos und entwickeln ihre Vorlieben für bestimmte Produkte. Untersuchungen haben gezeigt, das ein 10jähriges Kind in Deutschland ca. 100 Werbespots am Tag sieht!

Was in den Kinderlebensmitteln wirklich steckt, hat mit der Werbung nicht mehr viel gemeinsam. Die Verbraucherzentrale hat die einzelnen Produktgruppen genauer unter die Lupe genommen. Ob Joghurts, Getränke, Wurst, Käse, Schokolade oder Hörnchen: Empfehlen kann sie keines der Spezialprodukte.

Frühstückscerealien
Milch und Milchprodukte
Fleisch, Wurstwaren, Fischerzeugnisse
Fertiggerichte
Süßwaren und Gebäck
Getränke

Frühstückscerealien


Cornflakes/Rechte: stockphoto/Raffaelo
Foto: stockphoto/Raffaelo

Die Basis von Frühstückscerealien bildet zwar Getreide, doch sind noch zahlreiche andere Zutaten enthalten. Insbesondere der Zuckergehalt dieser Produkte ist mit teilweise über 40 Prozent sehr hoch. Kommen dann noch Schokolade oder Nougat hinzu, steigt auch der Fettanteil oft auf über 15 Prozent. Mit einer Portion von 50 Gramm zum Frühstück wird dann bereits ein Großteil der Tagesration an Fett und Zucker aufgenommen. Die Werbeaussagen versprechen ein gesundes Frühstück dank vieler Vitamine und Mineralstoffe. Diese sind allerdings künstlich hinzugefügt und keineswegs natürlicherweise in den Produkten enthalten. Angereicherte Lebensmittel sind in der Kinderernährung überflüssig. Durch die normale Nahrungsaufnahme mit vielen frischen Produkten erhält Ihr Kind alle wichtigen Vitamine und Mineralstoffe, die es benötigt.

Unsere Empfehlung: Zum Frühstück gehören Getreideprodukte, aber nicht in Form von Cerealien. Müsli mit frischem Obst oder ein Brötchen mit Marmelade oder Honig sind gute und ebenfalls süße Frühstücksmöglichkeiten. Wenn es ab und zu mal Cornflakes oder ähnliches geben soll, dann achten Sie darauf, dass diese zu den Süßigkeiten gehören und keine vollwertige Mahlzeit ersetzen können. Informationen zu einzelnen Produkten finden Sie in einem Link öffnet in neuem FensterAmpelcheck für Kinderlebensmittel. Eine Übersicht zum Zuckergehalt einzelner Produkte finden Sie hier.

Milch und Milchprodukte


Bunte Milchshakes/Rechte: stockphoto/knape
Foto: stockphoto/knape

Ein mittlerweile unüberschaubares Angebot an Kindermilchprodukten beherrscht die Kühlregale. Es gibt Milchmischgetränke, Quark, (Trink-)Joghurt, Pudding, Desserts, usw. Eines haben alle diese Produkte jedoch gemeinsam: Durch ihre Aufmachung und Verpackung sprechen sie Kinder gezielt an. Und die zusätzlichen Werbeaussagen richten sich direkt an die Eltern "mit wertvollem Calcium", "für starke Knochen und Zähne", u.ä. Die verschiedenen Produkte aus Milch, Joghurt, Quark, Frischkäse, Sahne oder Mischungen aus unterschiedlichen Milchprodukten enthalten häufig sehr viel Zucker und nicht selten Farb- und Aromastoffe. Der hohe Calcium- und Vitamingehalt ist in der Regel auf eine künstliche Anreicherung zurück zu führen.

Unsere Empfehlung: Diese Produkte sind überflüssig. Ein Nachtisch oder eine Zwischenmahlzeit aus Milchprodukten und Obst kann schnell selbst hergestellt werden. Die Anreicherung mit Calcium ist überflüssig, da Milch und Milchprodukte natürlicherweise sehr viel Calcium enthalten. Auch hier gilt: Ab und an kann ein Kinderprodukt als Süßigkeit genossen werden. Ein gesunder Nachtisch ist es nicht.
Informationen zu einzelnen Produkten finden Sie in dem Link öffnet in neuem FensterAmpelcheck für Kinderlebensmittel. Eine Übersicht zum Zuckergehalt einzelner Produkte finden Sie hier.

Fleisch, Wurstwaren, Fischerzeugnisse


Gesichtswurst
Foto: elektromartin_istockphoto

Kinder lieben Würstchen, Mini-Salami und natürlich Fischstäbchen. Insbesondere das Angebot an kinderspezifischen Fleisch- und Wurstwaren hat in den letzten Jahren stark zugenommen. Insgesamt unterscheiden sich diese Produkte hauptsächlich durch einen erhöhten Preis, eine kindgerecht aufgemachte Verpackung und der entsprechenden Werbung von herkömmlichen Produkten.

Unsere Empfehlung lautet daher: Diese Produkte sind überflüssig. Kinder verzehren insgesamt zu viel Fleisch und Wurst, so dass ein zusätzliches Angebot an kindgerechten Produkten erst recht in die falsche Richtung weist. Generell hilft ein Blick auf den Fettgehalt von Wurstwaren: weniger als 10 Prozent Fett haben Corned Beef, Kochschinken, Kasseler, Putenbrust; 10 bis 20 Prozent Fett enthalten Bierschinken und Jagdwurst; 20 bis 30 Prozent Fett haben Wiener Würstchen, Fleischwurst, Cervelatwurst und grobe Leberwurst; 30 bis 40 Prozent Fett stecken in Mettwurst, Kalbsleberwurst und Salami. Fettreiche Wurstsorten sollte es daher nur selten geben, fettärmere können entsprechend häufiger angeboten werden, wobei zu beachten ist, dass Wurst und auch Fleisch generell nicht täglich auf dem Speiseplan zu finden sind.

Mag Ihr Kind Fisch ausschließlich in Form von Fischstäbchen spricht nichts dagegen, diese hin und wieder anzubieten, wenn Sie bei der Zubereitung auf die fettarme Variante im Backofen zurück greifen. Nichtsdestotrotz sollten Sie immer wieder auch andere Formen von Fischgerichten anbieten. Kinder brauchen oft sehr lange um sich mit Neuem zu arrangieren.
Informationen zu einzelnen Produkten finden Sie in dem Link öffnet in neuem FensterAmpelcheck für Kinderlebensmittel. Eine Übersicht zum Zuckergehalt einzelner Produkte finden Sie hier.

Fertiggerichte


Pasta auf einer Gabel/Rechte:stockphoto.com/dulezidar
Foto: stockphoto.com/dulezidar

Das Angebot von Fertiggerichten steigt ständig. Aus der heutigen Küche sind sie nicht mehr wegzudenken. Und die Industrie setzt schon lange nicht mehr alleine auf den Single-Haushalt, sondern hat die Familien und da natürlich im Besonderen die Kinder entdeckt. Wenn es schnell gehen muss, bieten Fertigprodukte sicherlich einige Vorteile. Die Nachteile überwiegen jedoch deutlich. Fertiggerichte enthalten häufig viel Fett, Zucker und Salz und nicht selten eine breite Palette an Zusatzstoffen. Zudem werden Kinder an den industrielle Einheitsgeschmack gewöhnt. Wenn es also schnell gehen soll, greifen Sie lieber zu Vollkornbrot mit Frischkäse und Rohkost oder zu Nudeln mit Tomatensoße, die sich aus passierten Tomaten und ein paar Gewürzen schnell selbst zubereiten lässt. Das spart Ihnen viel Geld. Es spricht übrigens nichts gegen die Verwendung von Tiefkühlgemüsemischungen, ungewürzt und ohne Soße, oder küchenfertig eingefrorenen Fischfilets. Vermeiden Sie nur komplette Fertiggerichte oder Gewürzmischungen aus der Tüte. Informationen zu einzelnen Produkten finden Sie im Link öffnet in neuem FensterAmpelcheck für Kinderlebensmittel.

Süßwaren und Gebäck


Süßigkeiten/Rechte: stockphoto.com/SondraP
Foto: stockphoto.com/SondraP

Dass Süßigkeiten, Kekse und Kuchen keine gesunden Lebensmittel sind, weiß auch fast schon jedes Kind. Wie sind aber Bonbons, Lollis und süße Riegel zu bewerten, wenn sie zahlreiche Vitamine enthalten und laut Werbung wertvolle Inhaltsstoffe aus Milch oder Vollkorn enthalten? Werden dann aus Naschereien plötzlich gesunde Zwischenmahlzeiten? Nein, es ist und bleibt dabei: Süßigkeiten sind Süßigkeiten, auch wenn zugesetzte Vitamine und Mineralstoffe ein gesundes Image vortäuschen wollen. In der Werbung werden die positiven Eigenschaften hervorgehoben, während die negativen Aspekte wie ein hoher Zucker- und/oder Fettgehalt verschwiegen werden. Also gilt auch hier: Diese Produkte sind überflüssig. Sie tun Ihrem Kind keinen Gefallen, indem Sie diese vermeintlich gesunden Süßwaren uneingeschränkt erlauben. Naschen darf im Alltag Ihres Kindes einen Platz haben und wenn möglich sollte Ihr Kind seine Süßigkeitenration selbst zusammen stellen dürfen. Ihre Regulation beschränkt sich auf die Menge. Generell sollten Süßigkeiten und Gebäck nicht permanent, sondern ein- bis zweimal täglich gegessen werden, um die Belastung für die Zähne so gering wie möglich zu halten.
Informationen zu einzelnen Produkten finden Sie in unserem Link öffnet in neuem FensterAmpelcheck für Kinderlebensmittel.

Getränke


Saftgläser/Rechte: stockphoto.com/apust
Foto: stockphoto.com/apust

"Mama, ich hab Durst!!" Und schon locken zahlreiche Limonaden, Fruchtgetränke, Eistees, Smoothies usw. in den buntesten Farben und lustigsten Verpackungen. Aber hier ist Vorsicht geboten. Neben Farbstoffen, zugesetzten Vitaminen, der inzwischen kritisch zu bewertenden Zitronensäure und weiteren Zusätzen enthalten Durstlöscher für Kinder häufig sehr viel Zucker. Dieser ist nicht nur ein Kalorienlieferant, sondern insbesondere in der Kombination mit Zitronensäure sehr schädlich für die Zähne. Doch auch mit kalorienfreien Süßstoffen gesüßte Getränke sind keine gute Alternative. Süßstoffe sind zwar zahnfreundlich, haben aber in der Kinderernährung nichts zu suchen. Durch den ständigen Verzehr süßer Produkte bleibt die Reizschwelle sehr hoch, nur schwach gesüßte Getränke werden von Kindern daraufhin häufiger abgelehnt.

Für Süßstoffe gelten zudem sog. ADI-Werte (Acceptable Daily Intake = duldbare tägliche Aufnahmemenge) Diese beschreiben die Menge eines Stoffes, die ein Mensch lebenslang täglich aufnehmen kann, ohne das gesundheitliche Folgen auftreten würden. Berechnet werden die Werte allerdings auf der Basis von Erwachsenendaten. Trinken Kinder also zum Beispiel reichlich Erfrischungsgetränke, die Süßstoffe enthalten, können sogar dies für Erwachsene geltenden ADI-Werte leicht überschritten werden. Auch künstlich zugesetzte Vitamine sind in der Kinderernährung überflüssig. Eistee enthält zudem Koffein, das für Kinder überhaupt nicht zu empfehlen ist. Das beste Mittel gegen Durst bleibt Wasser. Ob aus der Leitung oder Mineralwasserflasche steht Ihnen frei. Wenn es mehr Geschmack sein soll, ist eine Fruchtsaftschorle gemischt mit einem Teil Saft und drei Teilen Wasser ein erfrischender, leckerer, gesunder und auch preiswerter Durstlöscher.

Neu auf dem Markt ist ein pflanzliches Süßungsmittel: Stevia, ein aus der Pflanze "Süßblatt" bzw. "Honigkraut" gewonnener kalorienfreier und zahnfreundlicher Süßstoff. Die industriell aufgearbeiteten Extrakte der Steviapflanze sind jedoch ebenso wenig ein Naturprodukt wie klassische Süßstoffe. Auch hier gibt es einen ADI-Wert für die tägliche Aufnahmemenge!
Informationen zu einzelnen Produkten finden Sie im Link öffnet in neuem FensterAmpelcheck für Kinderlebensmittel. Eine Übersicht zum Zuckergehalt einzelner Produkte finden Sie hier.

Fruchtscheiben/Rechte:stockphoto/SorenP
Foto: stockphoto/SorenP

Noch ein Wort zu Saft: Nicht überall, wo Frucht drauf steht, ist auch viel Frucht drin! Nicht alle Getränke auf Früchtebasis sind gleich. Hier lohnt sich ein Blick auf das Etikett, denn nur die Bezeichnung "Saft" garantiert 100 Prozent Fruchtsaftgehalt. Fruchtnektar und Fruchtsaftgetränke sind mit Wasser, Zucker und/oder Süßstoff vermischt. Limonaden haben einen noch geringeren Frucht- und einen wesentlich höheren Zuckeranteil. Aufgrund des Zuckergehaltes liefern sie viele Kalorien und machen vorübergehend auch satt. Dadurch kann es passieren, dass die Kinder auf andere wichtige Lebensmittel keinen Hunger mehr haben. Andererseits löschen sie ebenfalls aufgrund des Zuckergehaltes nicht den Durst, sondern machen im Gegenteil sogar noch durstiger.

➜ Tipps
  • Kinder brauchen keine speziellen Lebensmittel. Den größten Nutzen davon haben die Hersteller, wenn die Kasse klingelt.
  • Fehlt der exakte Zuckergehalt auf dem Etikett, hilft ein Blick auf die Zutatenliste. Denn die beginnt immer mit dem Hauptbestandteil des Produkts. Wenn die Schokocreme "36 Prozent Haselnüsse" enthält, die Zutatenliste aber mit "Zucker" beginnt, liegt dessen Anteil darüber.
  • Häufig wird der wirkliche Zuckergehalt eines Produktes verschleiert, indem verschiedene Zuckerarten eingesetzt werden, wie z.B. Glucosesirup, Fructose und Traubenzucker. Die sind dann einzeln in der Zutatenliste aufgeführt.
  • Stehen Sie den Versprechungen der Werbebranche kritisch gegenüber, etwa der Mär mit der "gesunden Extraportion Calcium". Den Calciumbedarf kann man zwar mit Kinderschokolade genauso wie mit einem Viertel Liter Frischmilch decken. Die Schokolade liefert aber mehr als viermal soviel Fett.
  • Achten Sie auf eine ausgewogene und abwechslungsreiche Ernährung Ihrer Kinder. Sehr süße oder fettreiche Speisen sind generell nicht empfehlenswert.


Weitere Informationen zum Thema finden Sie hier.

Dieses Dokument ist aus dem Internet-Auftritt der
Verbraucherzentrale Brandenburg e.V., Templiner Straße 21, 14473 Potsdam
Sie finden es im Internet unter: http://www.vzb.de/link946551A.html